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PYROGRAPHIE
PYROGRAPHIE
 
The set location is a shooting range. Petersen works with the basic means of her medium, light and light sensitive paper. The Pyrographies are classical photograms. They can neither be multiplied nor digitally influenced. What they depict is as complex as irreversible.
 
What remains is the immediate intertwining of cause and effect, an event that lasts no longer than the fraction of a second. The explosion of gunpowder at the moment of the shot creates the image. Petersen shoots in absolute darkness. The bright muzzle flash illuminates the paper. After the development, not the ammunition becomes visible, not the bullet aimed at a target, but the pure driving force. The chromogenic paper, with the characteristic of reproducing what is depicted in its complementary color, translates the exploding muzzle flash without the influence of the artist. The result is shapes that are characterised by haptic detectable burn and powder traces, kinks such as cracks. Every picture is unique, as unpredictable as unrepeatable. Even if the shooting conditions are absolutely identical, firing the same weapon at the same angle and distance across the paper will never produce the same image.
 
Similar to the psyche of a human being being formed by its individual sensibility, the papers react differently to the external influence. Until the shot comes off, they seem untouched, after which they are forever drawn. Petersen’s work exposes the moment that brings change.
 
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PYROGRAPHIE (DE)
 
Aufnahmeort ist ein Schießstand. Petersen arbeitet mit den Basismitteln ihres Mediums, mit Licht und lichtempfindlichem Papier. Die Pyrographien sind klassische Fotogramme. Sie lassen sich weder vervielfältigen noch digital beeinflussen. Was sie abbilden, ist so komplex wie unumkehrbar.
 
Festgehalten wird ein unmittelbares Ineinandergreifen von Ursache und Wirkung, ein Geschehen, das nicht länger dauert als der Bruchteil einer Sekunde. Bildschaffend ist die Explosion des Schießpulvers im Augenblick des Schusses. Petersen schießt in absoluter Dunkelheit mit scharfer Waffe. Das hell aufblitzende Mündungsfeuer belichtet das Papier. Sichtbar wird nach der Entwicklung nicht die Munition, nicht die auf ein Ziel gerichtete Kugel, sondern die Kraft, die sie treibt. Das Colorpapier, mit der Eigenschaft, das Abgebildete in seiner Komplementärfarbe wiederzugeben, übersetzt das explodierende Mündungsfeuer, ohne Einfluss der Künstlerin. Es entstehen Formen, die von haptisch erfassbaren Brand und Schmauchspuren, Knicken wie Rissen gekennzeichnet sind. Jedes Bild ist ein Unikat, so unplanbar wie unwiederholbar. Selbst wenn die Aufnahmebedingungen absolut identisch sind, wenn die gleiche Waffe im selben Winkel und Abstand über das Papier abgefeuert wird, entsteht nie das gleiche Bild. Sie zeigen die Verletzung in dem Moment, in dem sie geschieht und mit ihm die Gewalt, der sie sich verdankt.
 
Ähnlich der Psyche eines Menschen, der eine Vielzahl von Prägungen ihre individuellen Empfindsamkeit verleihen, reagieren die Papiere verschieden auf die Einwirkung von außen. Bis der Schuss sich löst, scheinen sie unberührt, danach sind sie für immer gezeichnet. Petersens Arbeit verfolgt keine moralischen Ziele. Sie zeigt den Moment, der die Dinge verändert. Ob zum Guten oder zum Schlechten, bleibt offen. 
 
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